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Christoph Dohr

aktualisiert
Mittwoch, 19.06.2019 15:03

I030

1780 (ca.) | Tafelklavier Johannes Pohlman[n], London

Keine Nummerierung, keine Datierung (Datierung nach Angaben von Voreigentümer Alexander March im Juni 2004 und Beurmann 2000, S. 70 [s.u.])

Tafelklavier Johannes Pohlmann, ca. 1780; 2 Hämmerchen auf Vorsatzbrett
Tafelklavier Johannes Pohlmann, ca. 1780 Tafelklavier Johannes Pohlmann, ca. 1780: Schild des Pariser Händlers
Tafelklavier Johannes Pohlmann, ca. 1780; 2 Hämmerchen auf Vorsatzbrett Tafelklavier Johannes Pohlmann, ca. 1780; Instrumentenboden
Tafelklavier Johannes Pohlmann, ca. 1780; Detail Tafelklavier Johannes Pohlmann, ca. 1780; "Bergezustand"

 

Signatur mit Tinte auf Vorstecker: "Johannes Pohlman Londini Fecit / Great Russel Street Bloomsbury"; weitere schriftliche Angaben am Instrument: (1) hsl. frz. Notiz auf der Korpusunterseite: „Je suis À Madame la Vicomtesse Ivaz [?] B [?]“ [kurzer Name, unleserlich, danach noch verschnörkelter Buchstabe]; (2) aufgeklebter gedruckter Zettel auf der Mitte der Instrumentenrückseite (111mm x 198mm): AU MAGASIN DE MUSIQUE/ Rue Traversière Saint-Honoré, à Paris./ LEDUC, tient Magasin de Musique Ancienne & Moderne, Pianos-Forté,/ Clavecins, Violons, Altos, Basses, Guitares, Mandolines, Serinettes, Instru-/ mens à vent, Archets, Cordes d’Italie, Sourdine, Diapason, Colophane, / Boîtes de Harpes à compartiment, Etuis pour tous les Instrumens, Papier réglé,/ Papier pour l’impression, & généralement tout ce qui concerne la MUSIQUE, / la Lutherie & la Papeterie. // On s’Abonne chez lui, en tout tems, pour les Journaux de Harpe & de Cla- / vecin; prix, 15 livres par année, port franc. Il envoye en Province toute espece / de Musique, par la poste, en payant le prix marqué sur l’Exemplaire. /

  • Länge: 1505 mm
  • Breite: 544 mm
  • Korpushöhe (mit/ohne Deckel): 199 mm/189 mm
  • Gesamthöhe (mit vorgefundenen vier Beinen [Beine evtl. original; Fletcher bildet auf seiner website ein weiteres Tafelklavier von Pohlmann mit offensichtlich identisch geformten Beinen ab] Durchschnittswert): 753 mm
  • Korpus: hinten links, untere Ecke: Inschrift No 4; hinten rechts, untere Ecke: Inschrift No 1
  • 4 Beine, Länge je ca. 550 mm; vorn rechts: neues Bein; vorn links: ?; hinten links: No 1; hinten rechts: No 2
  • Leiste zwischen Beinen und Korpus (jeweils eine links/rechts für zwei Beine): 16/17 mm
  • Untertasten: 128 mm sichtbare Länge, Belag: Elfenbein, Vordertastenplätten nach englischem Geschmack der Zeit getreppt.
  • Obertasten: 84 mm
  • Länge, Belag: Ebenholz (Belag zum Teil fehlend)
  • Stichmaß: 482 mm
  • Umfang: F1 – f3 = 5 Oktaven

Mensur (immer längere Saite der Doppelbesaitung gemessen):

  • F1 = 1318 mm
  • C = 1121 mm
  • F =  998 mm
  • c = 841 mm
  • f = 725 mm
  • c1 = 564 mm
  • f1 = 455 mm
  • c2 = 306 mm
  • f2 = 232 mm
  • c3 = 156 mm
  • f3 = 109 mm

Mechanik: sehr einfache frühe englische Stoßmechanik ohne Auslösung („english single action“); ein- bis mehrfach belederte halbrunde Hämmerchen; Art der Dämpfung: Einzelgliederoberdämpfung ohne Dämpferrechen, Dämpferglieder werden durch Messingfedern abwärts gedrückt; rechtsstimmig; originale Flach-Wirbel in Viererreihen mit Ausnahme von zwei Dreierreihen im tiefsten Bass, daneben Tonbuchstaben auf Resonanzboden mit Tusche geschrieben.

Veränderungen: drei Handzüge (keine Kniehebel, kein Pedal): (1) Dämpferaufhebung Diskant (2) Dämpferaufhebung Bass (3) Moderator (auch „Lautenzug“ oder  „Harfenzug“ genannt)

Bezug: durchgängig zweichörig, wohl originale Besaitung, weit umsponnen F1 bis C (16 Saiten / 8 Töne).

Besonderheiten: Schloss erhalten; zwei originale Notenpulte erhalten; Klangbodenabdeckung erhalten; originale Besaitung (unvollständig)

Zustand: unrestauriert / derzeit nicht spielbar [2-3 Hämmer fehlen, einige weitere abgerissen; ein Dämpfer fehlt; wurmstichige Teile; quadratische Inspektionsöffnung im Instrumentenboden, mit dünnerem, jüngerem verschraubtem Brett geschlossen; Resonanzboden und Resonanzbodenabdeckung stark durch Wasserschaden verformt und gerissen, einige Saiten gerissen, Garnierung des Moderators fehlt]

Kurzcharakteristik: Johannes Pohlmann (geboren wohl 1717) ist in London von 1767 bis 1793 nachweisbar. Er war einer der ersten der sog. „Zwölf Apostel“, die nach dem Siebenjährigen Krieg von Deutschland (Sachsen) nach England (London) emigrierten. Pohlmann war wahrscheinlich nach Zumpe der zweite Klavierbauer in London; er übernahm jene Aufträge, die Zumpe aufgrund der hohen Nachfrage nicht befriedigen konnte. Das vorliegende Instrument aus französischem Adelsbesitz weist daher auch in seiner Bauweise deutliche Parallelen zum Instrument von Zumpe und Buntebart 1771 auf. Pohlmann baute meist fünfoktavige Tafelklaviere, wobei er zunächst in Compton Street, Soho, und später in der Great Russel Street, Bloomsbury, angesiedelt war. Wie das Instrument der Sammlung Dohr, weisen seine Instrumente in der Regel eine mittels Handzügen zu schaltende, in Bass und Diskant geteilte Dämpferaufhebung, dazu gelegentlich einen mittels eines dritten Handzugs zu betätigende Moderator (buff stopp; „Lautenzug“) zur Klangveränderung auf.

Provenienz: Erwerb Juni 2004 aus der Sammlung von Alexander March, Frankreich

Literatur:

  • Edgar Brinsmead, The History of the Pianoforte, London 1889, S. 120.
  • Franz Josef Hirt, Meisterwerke des Klavierbaus, Olfen 1955, S. 451.
  • Martha Novak Clinkscale, Makers of the Piano 1700-1820, Oxford 1993, S. 219f.
  • Pierce Piano Atlas, 8. Aufl. Termino/CA 1982, S. 234.
  • Margaret Cranmer, Art. Pohlmann, Johannes, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 6. Aufl. 1985, Vol. 15, S. 21f.
  • David Crombie, Piano. Entwicklung, Design, Musiker. London: Balafon Books 1995, S. 18f.
  • http://www.johnsykesfletcher.com (ausführliche Dokumentation über Pohlmann; Stand 1995)
  • Arthur W. J. G. Ord-Hume: Art. Pohlmann, Johannes. in: Robert Palmieri (Hg.): Encyclopedia of the Piano, New York / London 1996, S. 297f.
  • Andreas E. Beurmann, Klingende Kostbarkeiten. Tasteninstrumente der Sammlung Beurmann. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Lübeck: Verlag Dräger-Druck o.J. [2000], S. 64f. u. S. 70 [das Tafelklavier Inv. Nr. 121 der Sammlung Beurmann ähnelt in der Art der Signierung und den Korpusmaßen demjenigen der Sammlung Dohr]; [keine Einträge in Dolge, MGG1, Mendel/Reissmann]
  • Christoph Dohr: Acht Tafelklaviere der Sammlung Dohr. in: Schmuhl (Hg.), Geschichte und Bauweise des Tafelklaviers, Augsburg u. Michaelstein 2006, S. 389-406.