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Christoph Dohr

aktualisiert
Donnerstag, 23.05.2019 14:18

I084

1970 (ca.) | Konzertcembalo zweimanualig Sassmann #xxx (Hückeswagen)

Firmengeschichte. Martin Saßmann (19xx-19xx) verbrachte den zweiten Weltkrieg als Messerschmitt-Kampfflieger, bevor er 1948 eine Lehre bei J. C. Neupert begann. 1955 eröffnete der ausgebildete Cembalobauer Martin Saßmann in Lennep (Bergisches Land) eine eigene Werkstatt. Im Jahre 1966 zog der expandierende Betrieb nach Hückeswagen-Wiehagen. Martin Saßmann begründete dort zugleich die Schlosskonzerte, die mindestens 47 Jahre Bestand hatten. Ab 1987 firmierte der Betrieb als "Sassmann & Kramer", wurde jedoch bereits im Jahre 1990 in eine GmbH umgewandelt. Matthias Kramer schied bei Sassmann aus und machte sich selbstständig.1992 übernahm Gunther Karnstein den Betrieb, und zwar in den ersten Jahren, nämlich bis 2000, in gemeinsamer Geschäftsführung mit Markus Worm, der sich danach selbstständig machte. Kramer, Worm, Karnstein sind gelernte Cembalobauer und gehören zur großen Gruppe derer, die bei Sassmann gelernt haben und sich entweder selbstständig machten oder im Angestelltenverhältnis in größeren Werkstätten arbeiten. 2002 zog die Sassmann GmbH nach Radevormwald um. Die Firma stellte ungefähr 2009 die Fertigung ein.

Nach Modellen aus der Zeit zwischen dem 16. Jahrhundert und dem ersten Viertel des 19. Jahrhundert wurden alle Arten von besaiteten historischen Tastenintrumenten gefertigt wie Clavichorde, Spinette, Virginale und Hammerflügel. Der Schwerpunkt der Firma lag jedoch im Cembalobau. Die ersten Sassmann-Instrumente waren noch - dem Zeitgeschmack entsprechend - in Rastenbauweise (im englischen Sprachgebrauch: "Serien style") gebaut. In den späten 1960er-Jahren vollzog Sassmann den übergang zu einer mehr historischen Bauweise, schließlich zu möglichst originalgetreuen Kopien historischer Originale.

1994 erhielt die Firma Sassmann GmbH durch das Bundeswirtschaftsministerium den Deutschen Musikinstrumentenpreis für Cembali. Sassmann stellte nicht nur eigene Instrumente her, sondern fungierte auch als Zulieferbetrieb innerhalb der Branche, so unter anderem für Tastaturen. [Aufgrund des Verschwindens der Firma Sassmann aus dem Markt ist deren Geschichte derzeit nur unter großen Schwierigkeiten recherchierbar.]

Kurzcharakteristik. Dieses große Konzertcembalo von Martin Sassmann ist ein Beispiel für die Konstruktionsweise in der übergangsphase von der Rasten- zur historischen Bauweise. Es weist (noch) die unhistorische, aber von den damaligen Interpreten geforderte Pedal-Registerschaltung und die sogenannte Bach-Disposition mit vier Registern und 16' im ersten Manual auf, die zur Bauzeit des Instrumentes als "unhistorisch" und damit als typisch für Rasteninstrumente in der Tradition des Pleyel-Konzertcembalos Modell "Wanda Landowska" galt.

  • Länge: 265 cm, Breite: xxx cm
  • zwei Manuale, unteres Manual: 16', 81'; oberes Manual: 82', 4'
  • Manual-Koppel II an I; Lautenzug auf 8?'.
  • Umfang: F1–f3 = 5 Oktaven

Provenienz: Schenkung Prof. Ad van Sleuven, September 2014