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Christoph Dohr

aktualisiert
Freitag, 29.05.2020 12:12

I153

1956 | Cembalo zweimanualig Modell "Cristofori" J. C. Neupert (Bamberg) #18786

Cembalo zweimanualig Modell "Cristofori" J.C. Neupert Bamberg / Nürnberg #18786 (1956)

Cembalo zweimanualig Modell "Cristofori" J.C. Neupert Bamberg / Nürnberg #18786 (1956)

 

J. C. Neupert: Werbemappe (vor 1956)

  • Ambitus [Klaviatur-Umfang]: A1-f3 = 4 2/3 Oktaven [notabene: J. C. Neupert warb in seinen Broschüren bis in die Anfänge des 21. Jahrhunderts mit der Angabe des "Tonumfanges". Aufgrund des 16'- und des 4'-Registers ergibt sich bei diesem Modell ein "Tonumfang" von A2-f4 = 6 2/3 Oktaven, der jedoch spielpraktisch nicht von Relevanz ist]
  • Interne Modellbezeichnung: "Gr4"
  • Ausführung in Nussbaum mattiert [diese Ausführung zählte lt. Modellliste von 1956 neben Sapeli-Mahagoni und Rüster zu den "normalen" Ausführungen ohne Preis-Aufschlag]
  • Länge: 204 cm; Breite 98 cm; Gewicht: 132 kg
  • zwei Manuale, fünf Pedale, vier Handzüge, Holz-Springer mit Trolon-Flanken (sog. "Troho-Springer") mit Leder-Bekielung
  • Register Untermanual: 8'1, 16', 16'-Laute (Neupert: "Theorbe")
  • Register Obermanual: 8'2, 4', 8'2-Laute
  • Untertastenbelag schwarz, Obertasten weiß (beides Kunststoff)
  • Pedale (von links): 8'1, 16', Koppel II/I, 4', 8'2; Alle Pedale wirken positiv, d.h. sie schalten durch Treten das betreffende Register ein. In der oberen Stellung (ungetreten) sind die Register ausgeschaltet. In der unteren Stellung lassen sich die Pedale durch eine kleine Verschiebung nach außen rasten.
  • Handzüge (links im Vorsatzbrett): 8'2-piano, 8'2-Laute; (rechts im Vorsatzbrett): 16'-Laute; 8'1-piano. Die Lauten- und piano-Züge wirken durch Herausziehen; die Wirkung der piano-Züge kann durch einen mit Riffelschraube verstellbaren Schlitten nachgestellt werden.
  • Holzrastenbauweise mit offenem Unterboden, ohne Gußrahmen
  • drei sich konisch verjüngende Beine mit quadratischem Grundriss und Messing-Flügelrollen.
  • Jedes Register hat seine eigene, durch Stellmuttern und Kontermuttern in der Höhe einzeln justierbare Dockenleiste aus unterseitig mit Filz garniertem Messing. Diese vier - zudem verschieden hoch montierten - Dockenleisten verhelfen dem Instrument zu einer pittoresken Optik.

Wie zahlreiche Modelle von J. C. Neupert wurde auch dieses von J. C. Neupert entworfene Modell [Rastenbauweise] mit geringen Modifikationen mehrere Jahrzehnte lang mit nur geringen Modifikationen angeboten. Das Modell "Vivaldi" besaß in seiner spätesten Bauform keine piano-Züge mehr und wurde wahlweise mit Holz- oder Plastik-, nicht mehrjedoch mit O.K.-Springern angeboten.

Der Verkaufspreis für dieses Exemplar des Modells "Vivaldi" betrug im September 1952 DM 6.175,00 (inkl. 14% MWSt.; evtl. mit Messe-Rabatt), 2020 wird das kleinere Modell "Cristofori" von J.C. Neupert für € 44.625,00 (inkl. 19% MWSt.)

Die Instrumenten-Nomenklaturen sind reine "Modell-Bezeichnungen" und korrelieren nicht mit historischen Instrumenten, erst recht nicht mit solchen aus den Werkstätten von Silbermann oder Bartolomeo Cristofori.

Kurzbeschreibung: zweimanualiges (gehobenes Hausmusik-)Instrument, das bei einer geringen Länge von lediglich 204 cm zwei Manuale und vier Register (darunter einen 16' im unteren Manual) sowie weitere Spielhilfen bzw. Hilfsregister anbietet.

Kommentar: Das Modell "Vivaldi" kombiniert Zeitgeschmack mit Verkäuflichkeit aufgrund der Konfektionierung der Instrumentenlänge auf knapp über 2 m, was besonders im Bass zu einer deutlich verkürzten Mensur zulasten des Klanges geht. Gegenüber dem großen Neupertschen Konzertcembalo "Bach" (mit dem das "Vivaldi" Manual-, Pedal- und Anzahl der Züge gemein hat!) wurde zudem die Breite verringert, indem der Ambitus auf 4 2/3 Oktaven beschnitten ist.

Das 4'-Register befindet sich nicht im Untermanual, sondern nun im Obermanual - eine deutliche Veränderung gegenüber der sog. historisch belegten "Bach-Disposition", die drei Register im Unter- und ein Register im Obermanual aufweist. Der 4' kann jedoch über die Manualkoppel in das Untermanual geholt werden und damit auf einem "Umweg" den vollen 16'-8'-4'-Klang ermöglichen.

Provenienz: Auslieferung am 4. September 1952 von Werkstätten Bamberg an den Neupert-Ausstellungsstand auf der Düsseldorfer Messe 1952. Von dort am 19. September 1952 verkauft an den Düsseldorfer Musiklehrer und Organisten Hans Münstermann, von seinem Sohn Hans-Jochem Münstermann (Direktor Musikhochschule Aachen) 1985 verkauft an Peter Michael Korsch, Düsseldorf (tel. Information vom Enkel des Erstbesitzers, dem Fotografen Christoph Münstermann, 29.05.2020). Ankauf für die Sammlung Dohr / das Pianomuseum Haus Eller im Mai 2020 aus dem Nachlass Peter Michael Korsch.

Literatur: siehe die Angaben zu den jüngeren Neupert-Instrumenten; Broschüre Hans Neupert: Die Behandlung moderner Cembali, Spinette und Klavichorde. Sonderdruck Bärenreiter-Verlag Kassel o.J.