Oliver Drechsel konzertiert in Haus Eller

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Die stummen Klaviere der Sammlung Dohr, Köln

beschrieben von Christoph Dohr

  1. 1880 (?) Stumme Klaviatur in Clavichord-Gestalt
  2. 1899 Virgil Practise Piano # 5786
  3. 1925 (?) Stumme Koffer-Klaviatur Seiler
  4. 1925 (?) Stumme Koffer-Klaviatur Bürger
  5. vor 1925 (?) Stumme Klaviatur 3 Oktaven N.N.
  6. 1940 (?) Stumme Klappklaviatur
  7. 1958 (?) Stumme Koffer-Klaviatur #40452
  8. 1985 (ca.) Stumme Papp-Klapp-Klaviatur Edition Dux

Zur Einführung

Musizieren, vor allem das rein mechanische Spiel von Fingerübungen, ist zu allen Zeiten mehr oder minder als Lärm empfunden worden. Insbesondere der "Siegeszug des Pianofortes" als bürgerliches Statussymbol und eine intensive Verbreitung in beinahe jeden gutsituierten bürgerlichen Haushalt des 19. und frühen 20. Jahrhunderts führten zu einem allerorten vernehmbaren "Übelärm". Zur Reduzierung dieses Lärms kamen nach dem Aussterben des bis weit nach 1800 noch als Übeinstrument eingesetzten, insgesamt aber eher wenig verbreiteten Klavichordes bereits früh "Stumme Klaviaturen" zum Einsatz.

Bei den "Stummen Klaviaturen" kann man grundsätzlich zwei Arten unterscheiden: transportable und stationäre. Gewicht, Ausmaße (bzw. "Handlichkeit") und z.B. das Vorhandensein von Tragegriffen sind hierbei Kriterien. In Zeiten, als Reisenden Gepäckträger zur Verfügung standen, waren diese Kriterien zudem zu relativieren.

Fremdsprachliche Begriffe für "stumme Klaviatur": digitorium; dumb piano, silent piano, practising piano.

Das Stumme Klavier von 1880 ist sicherlich - mit seinen vier einzuschraubenden Beinen und dem Fehlen von Transportgriffen - das "stationärste" Instrument. Besonders ins Auge sticht bei diesem Instrument der große Ambitus von sieben Oktaven, der dem damaligen Konzertflügel-Ambitus entsprach. Beim Virgel Practise Piano lassen sich immerhin - vergleichbar einem Keyboard aus den 1980er-Jahren (oder banaler: einem Bügelbrett ...) - die Beine einklappen: Das Virgil Practise Piano lässt sich also nach Gebrauch wieder wegstellen, muss nicht zum Blickfang für Hausgäste werden. Die Stumme Klapp-Klaviatur geht da noch einen Schritt weiter: Sie ist sperrig, unhandlich und - hässlich!, sollte also potentiellen Besucher-Blicken keineswegs ausgesetzt werden. Das Stumme Klavier von 1880 ist wohl das einzige, das einem gehobenen Anspruch als "dekorativem Möbel" gerecht wird. Das Virgil Practise Piano war immerhin fotogen (s.u.) und wies seinen Besitzer als extrem fleißig Übenden aus.

© Stiftung Weimarer Klassik: Stumme Klaviatur von Franz Liszt, Liszthaus Weimar

Stiftung Weimarer Klassik: Stumme Klaviatur von Franz Liszt, Liszthaus Weimar; 6 Oktaven Ambitus.

Reisende Pianisten benutzten Stumme Klaviaturen (der Begriff "Stummes Klavier" ist insofern falsch, als dass die Klaviaturen durchaus auch z.B. zu einer Orgel gehörig sein könnten), um während der Fahrt oder in ihrer Absteige die Finger geschmeidig zu halten. Bekannt - und bei online-Auktionen gerne herangezogen - wird die Stumme Klaviatur, die Franz Liszt einige Jahre auf seinen Reisen mitführte. Mit immerhin sechs Oktaven Umfang (allerdings von C1 bis c4) war sie recht sperrig, kam aber immerhin den Übewünschen Liszts nach: Skalen- und Arpeggien-Spiel über mehrere Oktaven - je nach Entstehungsjahr annäherungsweise über den gesamten Ambitus der damaligen Konzerthammerflügel. Durch die notwendigen Beschränkungen in Größe und Ausdehnung haben Reise-Klaviaturen ansonsten einen geringe(re)n Ambitus (so haben die drei Koffer-Übeklaviaturen lediglich einen Umfang von vier bis fünf Oktaven, wobei der fünfoktavige Ambitus unhistorisch von C1 bis c3 und eben nicht von F1 bis f3 läuft) und eine primitive Federmechanik, die ein Gefühl, eine Flügel- oder Pianomechanik zu bedienen, erst gar nicht aufkommen lässt.

Eine - erwähnenswerte - Ausnahme ist sicherlich der Beweggrund, den Werner Czesla für den Erwerb einer stummen Klaviatur anführt: sein seinerzeit schmales studentisches Budget, das ein klingendes Klavier für das heimische Üben verunmöglichte.

Die jüngste Entwicklung stellen zweidimensionale Papp- oder Kunststofftasturen dar. Hier sind lediglich noch die Tasten aufgedruckt; die Finger des Spielers sind auf einem bedruckten Papp- oder Kunststoffstreifen unterwegs - es gibt keine beweglichen Tasten. Diese Entwicklung steht im deutlichen Gegensatz zu den Fortschritten, die die mechanischen Stummen Klaviaturen zu machen bereit waren: Billige Lösungen ersetzen immer wieder die durch Schwerkraft zurückfallende Taste durch Federn - hier wurde und wird aus dem "Anschlag" ein "Tastendrücken", wie man es von elektrischen Orgel(spieltische)n her kennt. Die stumme Klaviatur von 1880 arbeitet immerhin mit "normal langen" Waagebalken und "gewichteten Tasten": Am Ende jeden Tastenhebels ist ein Bleigewicht aufgeklebt, das das Gewicht der Hammermechanik substituieren soll. Die mit Abstand aufwändigste - und daher auch patentierte - Konstruktion weist jedoch das Virgil Practise Piano auf: Der "Anschlag" wird durchaus "echt" imitiert, zudem gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Feinjustierung und - das Paradoxon zieht durch die Hintertür ein - zur hörbaren Rückmeldung der Präzision des Anschlags auf dieser Stummen Klaviatur!

Bei Führungen durch das Pianomuseum löst die Konfrontation mit "Stummen Klavieren" stets zunächst ungläubiges Staunen aus, ist es doch für Musiker wie Nichtmusiker gleichermaßen unverständlich, wie man Musik ohne Musik machen könne. Insbesondere das Virgil Practise Piano der Sammlung Dohr weist jedoch deutliche Spuren einer intensiven Nutzung auf, die auch jeden Skeptiker schnell eines Besseren belehren.

Die alten Bauformen stummer Klaviaturen haben im Zeitalter der Elektronischen Musikinstrumente ihre Daseinsberechtigung verloren: Jedes Elektronische "Clavier" wird im stromlosen Zustand zur "stummen Klaviatur". Die bei historischen Bauformen stummer Klaviaturen nicht mögliche Hör-Kontrolle des "Gespielten" wird durch Schallausgabe lediglich über Kopfhörer technisch leicht realisiert. Einzig überlebt haben die immer noch im Handel angebotenen Stummen Papp-Klapp-Klaviaturen der Edition Dux, die in jüngster Zeit Zuwachs gefunden haben durch aufrollbare, MIDI-taugliche Kunststofffolien.

© 2011-2015 by Christoph Dohr


Beschreibung der Instrumente

1880    (?) Stumme Klaviatur in Clavichord-Optik (Wien?)

Kurz-Beschreibung:

  • wahrscheinlich Einzelanfertigung: kein weiteres Exemplar nachweisbar; nach Aussage des Voreigentümers "wohl Österreich um 1880"
  • Monogramm "GA" auf der Innenseite des Tastendeckels; ansonsten unsigniert. Schloss mit Schlüssel.
  • Maße: 80 cm Gesamthöhe (mit Beinen), 126 cm Breite, 54 cm Tiefe.
  • Holz, ebonisiert; vier gedrechselte Beine (schwarz lackiert), mit Holzgewinden im Instrumentenboden eingeschraubt; Beine mit kleinen Messingrollen.
  • Untertasten Elfenbein-Belag, Obertasten Ebenholz.
  • Deckel aufklappbar: vorderer Deckel (ca. 1/3) gibt Klaviatur frei; hängt an hinterem Deckel (ca. 2/3); dieser gibt den Blick auf die hinteren Tastenhebel mit den Bleigewichten frei.
  • dem Anscheine nach ohne Notenpult gefertigt.
  • Gewicht: xx kg
  • Umfang: sieben Oktaven = A2 bis a4 (und damit dem vollen Klaviaturumfang eines Flügels in der vermuteten Erbauungszeit entsprechend)
  • Tasten als vollständige Waagebalken ausgebildet, mit authentischem Lagerwechsel zwischen Unter- und Obertasten(hebeln)
  • gewichtete Tasten: Auf jedem Tastenhebel klebt am Ende ein Bleigewicht, das die Mechanik "imitiert".
  • Erwerb Juli 2014 aus dem deutschen Auktionswesen.

1899    Virgil Practise Piano # 5786 New York

Mary Wurm am Virgil Practise Piano, Postkarte ca. 1900

Die Pianistin Mary Wurm (1860-1938) am Virgil Practise Piano. Postkarte ca. 1900 (Sammlung Dohr)

Kurz-Beschreibung

  • in größerer Stückzahl mit Piano-Seriennummer (#5786) hergestellt
  • Holzgehäuse mit einschiebbarem Deckel und einklappbaren Beinpaaren nach Art eines heutigen Keyboard-Untergestells.
  • Ambitus A2 - c5 = 7 1/3 Oktaven
  • mehrere patentierte Vorrichtungen zur Nachahmung des „echten“ Klavieranschlages:
    1. hinzuschaltbares Anschlaggeräusch;
    2. hinzuschaltbares Tastenrückfallgeräusch;
    3. einstellbarer Spielwiderstand;
    4. gewichtete Tasten mit lose hängenden Bleigegenkörpern.
  • wichtiges Dokument für die „Einzelhaft am Klavier“ (Dr. Grete Wehmeyer, Köln), für den rein mechanisch-technischen Drill.
  • Voreigentümer: Schulmusiker aus dem Rhein-Main-Gebiet; Erwerb über einen Trödler.

Gebrauchsanleitung (Abschrift des im Deckel klebenden Zettels des Instrumentes der Sammlung Heiko Schwichtenberg, Berlin):

Wichtige Bemerkungen

Der Griff in der Mitte des Instrumentes reguliert das Anschlagsgewicht.  Dreht man den Griff nach rechts, so wird das Anschlagsgewicht erhöht. Die Tabelle links vom Griff zeigt das Gewicht des Tastenwiderstands in Unzen an. Ein Gewicht von 2 Unzen (Zeiger so weit links als möglich) entspricht einem leichten Klavieranschlag, ein Gewicht von 3 Unzen einem mittelschweren, 4 Unzen einem schweren, 5 Unzen einem sehr  schweren Klavieranschlag. Von 5 Unzen ab aufwärts wird der Anschlag schwere als auf irgend einem Pianoforte. Solch schwere Anschlagsgewichte sollten nur für besondere Übungszwecke mit Vorsicht und Vernunft gebraucht werden, als da sind: Ausdauer, Zartheit.

Der Knopf zur rechten Seite der Klaviatur kontrollirt die Abklicks, der zur linken Seite die Aufclicks.

Um die Clicks in Thätigkeit zu bringen, schiebe man die Knöpfe von sich nach rechts und links. Will man die Clicks abstellen, dann ziehe man die Knöpfe gegen sich. Wenn man bei leichter Fingerthätigkeit die Clicks sehr deutlich hören will, dann schiebe man den Knopf von sich, bis er die Schraube berührt, die von der Aussenseite des Instrumentes dem Knopf gegenüber eingeschraubt ist. Wird aber sehr viel Fingerthätigkeit verlangt, dann ziehe man den Knopf, nachdem man ihn bis an die Schraube geschoben hat, ein wenig zurück; um die Clicks hörbar zu machen wird dann eine kräftigere Fingerbewegung nötig sein.

Es ist sowohl für die Finger als auch das Instrument nachtheilig zu versuchen, die Clicks übermässig hörbar zu machen.

Das Reguliren der Clicks

Die Schraube an der rechten Aussenseite des Instruments regulirt die Abclicks, die an der linken die Aufclicks.

Sollte beim Anstellen der Abclicks eine mässig kräftige Fingerthätigkeit keinen Click hervorbringen, dann drehe man mit einem Schraubenzieher die Schraube erst um eine viertel Drehung nach aussen und versuche dann die Clicks; sollten sie auch jetzt noch nicht leicht genug hörbar werden, dann schraube man weiter soviel als nötig sein mag. Niemals jedoch darf die Schraube so weit nach aussen gedreht sein, dass die Berührung zwischen derselben und dem Abclickknopf aufhört.

Sollten jemals die Abclicks einiger Tasten leichter als die der übrigen hörbar werden, dann nehme man die betreffende Taste heraus*) und drehe die am Vorderende der Taste befindliche Schraube mit einem Schraubenzieher ein wenig tiefer hinein; man bringe die Taste wieder an ihren Platz und versuche nun, ob die Clicks jetzt gleichmässig laut gehört werden. Sollte dies nicht der Fall sein, dann muss man die Schraube so viel als nötig drehen. Wird der Click einer Taste zu schwer hörbar, dann drehe man die Schraube ein wenig nach außen, bis die Clicks ganz gleichmässig gehört werden.

Sollte der Aufclick einer Taste nicht gehört werden, so ist die Ursache im Folgenden zu suchen: Entweder liegt irgend ein Gegenstand auf dem Filz oder der Messingplatte unter der Taste oder zwischen den Tasten. Auf ähnliche Weise beseitigt man ein ungehöriges Geräusch beim Niedergehen der Taste, indem man die Taste herausnimmt und den störenden Gegenstand fortschafft*).

*) Eine Taste wird auf folgende Weise herausgenommen: Man schraube die 4 Schrauben heraus, welche das mit Namen der Firma versehene Brett festhalten. Den linken Drath [sic], welcher von diesem Brett bis zur Rückseite des Instrumentes geht, hake man los, nachdem man die Spirale, welche denselben festhält, losgehakt hat. Das erwähnte Brett hebe man ein wenig und ziehe es gegen sich, wodurch die grosse Metallschraube und ein Teil des inneren Rahmens herauskommen. Die kleine mit Filz bezogene Leiste, welche quer über die Tasten geht, wird abgenommen, indem man die drei Knöpfe darauf abschraubt und die Leiste dann emporhebt. Wenn dies geschehen ist, dann kann die Taste herausgenommen werden.

Warnung: Man verwechsele die Tasten nicht; jede Taste muss auf ihrem Platz bleiben. Sie mag auf einem anderen Platz nicht funktionieren.      

Feuchtigkeit verursacht leicht Schwellung des Holzes und Kleben der Tasten an den Stiften, so dass dieselben sich nicht frei bewegen können und so die Aufclicks nicht mehr funktioniren. Bei einem neuen oder wenig benutzten Instrument wird dies häufiger der Fall sein. Geschieht es, dann schaffe man Abhülfe in folgender Weise: Man fasse das vorstehende Stück Elfenbein der Taste und bringe diese ungefähr 1/6 Zoll nach unten (Fig. 1); dann schiebe man die Taste hin und her. Bewegt sie sich nicht frei, so mache man sie wie folgt beweglicher: Man nehme die Taste  heraus und drehe mit einer kleinen Zange die Stifte ein wenig nach rechts (die Stifte sind nicht rund; durch eine kleine Drehung nach rechts passen sie weniger eng in die Höhlung der Taste und geben derselben so die erwünschte grössere Beweglichkeit). Darauf probire man die Beweglichkeit der Taste wie vorher. Sobald dieselbe sich seitwärts ein wenig hin- und herbewegen lässt, dann wird sie durch den Stift nicht mehr gehindert.  

Sollte ein Aufclick nicht richtig hörbar werden, so hebe man die Taste ungefähr 1/6 Zoll (Fig. 4), ziehe den Finger unter das hervorstehende Elfenbein und lasse die Taste fallen. Fällt die Taste nicht ganz frei herunter, so sitzt sie zu fest auf dem Stift. Man nehme die Taste heraus und feile mit einer kleinen Feile das Holz ein klein wenig ab, wobei die Feile an den Seiten der Höhlung gebraucht werden muss, nicht vorn oder hinten. Fig. 3 zeigt den richtigen Angriffspunkt. Man muss sich vorsehen, nicht zuviel abzufeilen, feile also nur 2 mal hin und her, ohne stark aufzudrücken. Die Feile bewege man jedesmal nur ungefähr 1/2 Zoll. Dann bringe man die Taste wieder an ihren Platz und versuche, ob sie nun richtig fällt, wenn nicht, dann muss sie noch ein wenig abgefeilt werden, diesmal aber auf der entgegengesetzten Seite. Man versuche nun den Aufclick wieder; sollte er noch nicht richtig hörbar werden, dann muss die Schraube in der Taste so viel als nötig nach vorn gedreht werden. Der Aufclick ist in Ordnung, wenn er deutlich hörbar ist, ohne dass dabei ein klapperndes Geräusch gehört wird.

Wichtige Bemerkung

Wenn eine zum Aufclick gehörige Schraube gedreht wird, dann stelle man die Abclicks immer ab, drücke dann die betreffende Taste vorne nieder und halte sie fest unten, während man schraubt.

Die Aufclickschrauben befinden sich an den Tasten unter der langen Leiste, die sich beim Aendern des Anschlagsgewichtes vor- und rückwärts schiebt. Beim Reguliren der Aufclickschrauben brauchen die Tasten nicht herausgenommen zu werden, was aber geschehen muss beim Reguliren der Abclicksschrauben. Wenn die Aufclicks klappern, dann liegt dies daran, dass der Knopf zu weit hinüber geht. Zur Abhilfe drehe man die Schraube an der Seite des Instruments, bis die Clicks ganz deutlich hörbar sind. Sollten nur einige der Aufclicks klappern, dann drehe man in der betreffenden Taste die Schraube zurück, bis das Klappern aufhört. Wird ein Click überhaupt nicht gehört oder ist er zu schwach, dann drehe man die Schraube so viel als nötig nach vorn.

Nach dem Ueben

sollte der Zeiger an der Gewichtsskala immer auf 2 Unzen zurückgedreht werden und das Instrument zum Schutz gegen Staub und Feuchtigkeit geschlossen werden.

Beim Verpacken des Instruments

achte man darauf, dass die Blöcke in der Kiste fest sitzen und dass die Schrauben das Instrument nicht berühren können. Man stelle das Instrument in die Kiste, befestige die filzüberzogenen Holzstücken an der Seite an den Enden und quer über das Instrument. Der Deckel werde fest vernagelt. Das Instrument kann dann sicher versandt werden.  

Besondere Anweisung

Wenn die Tasten und die Clicks richtig funktioniren sollen, dann muss das Instrument fest, mit allen 4 Beinen unmittelbar auf dem Fussboden stehen und darf der Feuchtigkeit nicht ausgesetzt sein, da jeder Sprung im Boden oder Schwellen der Tasten nachteilig wirken wird. Wenn alle obigen Anweisungen beobachtet werden, dann wird das Instrument immer in gutem Zustande sein."

Literatur: Ähnliche Modelle sind im Internet in mehreren amerikanischen Sammlungen nachweisbar; Pierce Piano Atlas, 8. Aufl. Termino/CA 1982, S. 297 u. 309.


1925 (?) Stumme Koffer-Klaviatur E. D. Seiler (Liegnitz)

Beschreibung:

  • augenscheinlich aus Serienfertigung (bis auf kleine Details identisch mit nachstehendem Instrument); Gehäuse vollständig aus Holz.
  • Schild im Inneren des Deckels: "E. D. Seiler / Pianofortefabrik GmbH LIEGNITZ, Wilhelmstraße 17/19" (Die Adresse Wilhelmstraße 17/19 war von 1912 bis zur Vertreibung des Unternehmens aus Liegnitz 1945 gültig.)
  • Ausbildung als abschließbarer Koffer mit ledernem Tragegriff.
  • Der geöffnete Deckel wird zum Notenpult, die Noten ruhen auf einer geriffelten Leiste hinter dem Tastenfeld.
  • Gewicht 7,8 kg
  • Umfang 4 Oktaven C bis c3
  • Kunststofftasten mit primitiven Federn als Anschlags-Widerstand ("E-Orgel-Spielgefühl").
  • Maße (geschlossen, in Spiel-Lage): B 767 mm, H 103 mm, T 245 mm
Literatur: Jens Witter: Das Klavierlexikon. Namen und Fabrikate, 2. Ausgabe: Verlag Michael Kircheis, Schillingsfürst 2000, S. 110 (Sp. 4) u. S. 832 (Sp. 3). Mainpost vom 03.09.2008: "Die Zukunft der Kitzinger Traditionsfirma Piano Seiler, die im Juli Insolvenz anmelden musste, ist weiter in der Schwebe. [...] Dem Sturz in die Pleite waren nach bisherigen Informationen „massive Auftragsrückgänge gegenüber dem Vorjahr“ vorausgegangen, die eine normale Weiterführung unmöglich machten. Konsequenz war der Insolvenzantrag im Juli. Schon zuvor war es zu Gerüchten über eine mögliche finanzielle Schieflage gekommen. Mit ein Grund dafür war das Seiler-Klavierfestival, das 2005 zuletzt mit virtuoser Musik glänzte und dann sang- und klanglos in der Versenkung verschwand. / Daten und Fakten / Seiler Pianofortefabrik 1849 war die Firma in Liegnitz (heute Polen) gegründet worden. Mitte der 1920er Jahre war Seiler mit 430 Beschäftigten die größte Pianofortefabrik Ostdeutschlands. Nach dem Verlust der Firma nach dem Krieg wagte Steffen Seiler 1945 den Neuanfang und produzierte ab 1961 in Kitzingen, bis hin zu Konzertflügeln der Meisterklasse.""Wie die Zeitung Mainpost in ihrer Ausgabe vom 30.10.2008 meldet, hat der koreanische Konzern Samick die Pianofortefabrik Ed. Seiler übernommen. Nach Angaben des Insolvenzverwalters Bruno Fraas werden die ca. 40 Mitarbeiter aus der Produktion weiter beschäftigt. Die seit Juli ruhende Produktion soll Anfang November wieder anlaufen. Nicht übernommen werden laut Insolvenzverwalter 4 Mitarbeiter aus dem Vertrieb, den Samick selbst organisieren will und drei Mitarbeiter aus der Verwaltung. Die neue Firma heißt nunmehr Seiler Pianofortefabrik GmbH und wird an den beiden Kitzinger Standorten Schwarzacher Straße und Goldberggebiet Klaviere und Flügel produzieren. Ob und in welchem Umfang die Produktionspalette erweitert wird, ist derzeit nicht bekannt. Laut Mainpost ist die Familie Seiler an der neuen Firma nicht mehr beteiligt."


1925 (?) Stumme Koffer-Klaviatur Albert Bürger (Koblenz)

Kurz-Beschreibung:

  • augenscheinlich aus Serienfertigung (bis auf kleine Details identisch mit vorstehendem Instrument); Gehäuse vollständig aus Holz.
  • [Händler-]Schild im Inneren des Deckels: "A. Bürger Koblenz" (hinter "A. Bürger" verbirgt sich die 1921 gegr. Koblenzer Piano-, Harmonium- und Sprechmaschinen-Hdlg. Alfred Bürger, Viktoriastraße 18)
  • Nach Aussage des Voreigentümers diente dieses Instrument einer Koblenzer Pianistin auf ihren Konzertreisen für Lockerungsübungen der Hände.
  • weitere Spezifika: siehe vorstehendes Instrument!

vor 1925 (?) Stumme Klaviatur N.N. (drei Oktaven Ambitus)

Kurz-Beschreibung:

  • augenscheinlich aus Klein(st)serienfertigung; Gehäuse vollständig aus Holz.
  • Klaviatur-Umfang: drei Oktaven, z.B. c bis c3 (37 Tasten)
  • keine Hinweise auf den Hersteller und/oder Händler am und im Instrument. Herkunft aus Nürnberger Privatbesitz.
  • Nach Aussage des Voreigentümers diente dieses Instrument in einer wohlhabenden Nürnberger Familie - vielleicht schon vor 1925 - den täglichen Klavierübungen der Tochter.
  • Erwerb aus Privatbesitz für die Sammlung Dohr am 15. Mai 2015.
  • Zustand: "Dachbodenfund"; Gehäuse in sich nicht mehr stabil; vordere Deckelleiste wohl ersetzt.

Alle Fotos: Norbert Niggemann, Schierling - mit freundlicher Genehmigung.


1940 (?) Stumme, klappbare Übeklaviatur N. N.

Kurz-Beschreibung:

  • augenscheinlich Einzelanfertigung; klappbare Klaviatur in einem abschließbaren Holzkoffer
  • separates, Untergestell (tischartig) aus Holz mit einklappbarem Fußgestell
  • Das in das Untergestellt einsteckbare Notenpult fehlt.
  • Gewicht: (1) Koffer 7 kg. (2) Tastatur 9 kg. (3) Untergestell 7 kg - insgesamt schwer und unhandlich!
  • Umfang: 7 ¼ Oktaven A2 bis c5
  • Federwiderstand verstellbar; Klaviatur in der Mitte klappbar (Teilungspunkt e1-f1)
Literatur: Paul de Wit's Weltadreßbuch der Musikinstrumentenindustrie, Leipzig 1929; Jens Witter: Das Klavierlexikon. Namen und Fabrikate, 2. Ausgabe: Verlag Michael Kircheis, Schillingsfürst 2000, S. 110 (Sp. 4) u. S. 832 (Sp. 3).


1958 (?) Stumme Koffer-Klaviatur #40452

stumme Koffer-Klaviatur (ca. 1958). Totale

Stumme Koffer-Klaviatur. Foto: Dr. Werner Czesla, Detmold

stumme Koffer-Klaviatur (ca. 1958). Detailansicht der Mechanik.

Aus Koffer demontierte Mechanik der stummen Klaviatur bei entnommener erster Untertaste; links das mittels Stellschraube drehbare Rohr, in dem pro Taste eine Feder justiert ist, die den Tastendruck-Widerstand bestimmt. Die Federn halten die Tasten somit auch in Ruhestellung. Diese Konstruktionsmethode findet sich z.B. auch bei den oberschlägigen Konzertflügeln von Theodor Stöcker. Foto: Christoph Dohr, Ahe.

  • Voreigentümer: Dr. Werner Czesla, Detmold, der das Instrument als Student ca. 1958 bei einem Düsseldorfer Musikinstrumentenhändler neu erwarb.
  • Nach Auskunft des Voreigentümers wurde dieses Instrument weniger aus Lärm- denn aus finanziellen Gründen (schmales Studenten-Budget) angeschafft.

    Literatur: --

Kurz-Beschreibung

  • Hersteller unbekannt. Keinerlei Signierungen. Links auf dem Klaviaturrahmen, unter der untersten Taste, findet sich die gestempelte Nummer 40452. Alle Tasten sind doppelt durchgezählt: von oben durch Schlagziffern von 1 bis 61, von unten mit Blei von 1/52 bis 61/52. Oberhalb der Schlagzahlen der ersten beiden Tasten steht je mit Blei 452. Auf dem Kofferboden, unterhalb der Klaviatur, befindet sich die Nummer 52. All das lässt auf eine Herstellung in Klein/st/serie schließen.
  • Koffer im Vergleich zu den Seiler-Klaviaturen auffallend schlank (geringe Bauhöhe) bzw. elegant (geschwungen),
  • Maße: xxx mm breit x xxx mm tief x xx mm hoch.
  • 5 Oktaven (= 61 Tasten) Umfang (z.B.) C1 bis c3
  • Tasten aus Holz, UT Belage Kunststoff; OT schwarz glanzlackiert.
  • Tastendruck-Widerstand einstellbar: Mittels eines Drehknopfes in der rechten Klaviaturbacke werden die die Tasten nach oben drückenden Federn gespannt, indem ein silbern bronziertes Stahlrohr, in dem die Federenden stecken und angelötet sind, leicht gegen den Uhrzeigersinn gedreht wird (vom Bass aus gesehen); ein Indikator ohne Skala befindet in der Front.
  • an den sichtbaren Teilen dunkelbraun gebeiztes Holzgehäuse mit verschließ- und aufklappbarem Deckel (ein rastender Deckelhalter links); zwei Schnapper ohne Schlüsel. Öffnungswinkel des Deckels geringer als 90o, so dass keine Noten aufgestellt werden können.
  • kofferähnlicher Leder-Tragegriff auf Untertastenseite / auf Spielerseite (Front)
  • Zustand: nach Vandalismusschaden im August 2015 generalüberholt durch Jan Großbach, Frankfurt-Höchst


1985 Stumme Papp-Klapp-Klaviatur

Mary Wurm am Virgil Practise Piano, Postkarte ca. 1900

gedruckte (stumme) Papp-Klapp-Klaviatur. Foto der Titelseite: Edition Dux

  • Produkttext des Herstellers: "Für das bessere Erlernen der Klaviertastatur bietet diese Klaviatur in Originalgröße Abhilfe. Von der Kontraoktave bis hin zum viergestrichenen a'''' sind alle Töne, inkl. Vorzeichen, mit deren Tasten entweder im Bass- oder im Violinschlüssel notiert. Diese Lernhilfe passt auf alle Klaviere.[...]"
  • Kurz-Beschreibung

    • Verlag Edition Dux (Gerhard Halbig), Manching, Bestellnummer D12.
    • Umfang: 7 ¼ Oktaven A2 bis c5
    • gefaltet 297 mm breit x 173 mm hoch, aufgeklappt 1190 mm breit x 173 mm hoch (= heutige reale Klaviaturmaße)
    • Mit Ausnahme der außen aufgedruckten Titelseite einseitig bedruckt, schwerer weißer Karton, keinerlei mechanische Funktionalität (!)

      Literatur: --


    DohrCompactDiscs
    mit Instrumenten der Sammlung Dohr

    aktualisiert Sonntag, 7. Februar 2016 updated
    © 1998-2016 by Christoph Dohr Köln