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Donnerstag, 23.09.2021 18:09

I039

1950 | Fidel sechssaitig Martin Sassmann, Bamberg

Fidel sechssaitig Martin Sassmann, Bamberg

Firmengeschichte. Martin Saßmann (geb. 30. November 1924 in Remscheid-Lüttringhausen, gest. 23. Mai 1995 in Remscheid), war im Zweiten Weltkrieg Pilot und begann 1948 eine Lehre zum Klavier[- und Cembalo]bauer bei J. C. Neupert in Bamberg. 1953 schloss er mit der Meisterprüfung ab: "Eine Meisterprüfung besonderer Art hat kürzlich der in der Klavierfabrik Neupert-Bamberg tätige Herr Martin Sassmann vor der Handwerkskammer Stuttgart abgelegt. Die Ausstellung des Meisterbriefes erfolgte nämlich erstmals für das "Klavierbauerhandwerk (Cembalobau)", da der Prüfung einen historischen Klaviertyp als Meisterstück gewählt hatte." (Das Musikinstrument, Jg. 1,5 (1953))

Nach zwei weiteren Jahren bei J. C. Neupert eröffnete Martin Saßmann am 1. Februar 1955 in Lennep (Bergisches Land) eine eigene Werkstatt. Im Jahre 1966 zog der expandierende Betrieb nach Hückeswagen-Wiehagen. Martin Saßmann begründete dort im selben Jahr die Schlosskonzerte Hückeswagen, die bis in die Gegenwart Bestand haben (2021/2022 = 56. Saison). Der Firmenname "Sassmann" (also mit "ss" statt "ß" wurde deshalb gewählt, weil der Buchstabe "ß" in vielen Sprachen nicht existiert und die Firma international ausgerichtet war.

In der Mitte der 1980er-Jahre geriet die Firma Sassmann in eine existenzgefährdende Krise. Martin Saßmann kam mit Matthias Kramer (*23. September 1959 in Seewiesen; seit 1980 selbstständig, Meisterprüfung Februar 1990) in Kontakt, der mit seinem Gesellenstück und seiner Gesellenprüfung 1980 für Furore gesorgt hatte (siehe www.cembalo.de). Er trat in die Firma Sassmann ein: Am 2. Februar 1987 erfolgte die Eintragung in das Handelsregister als "Saßmann & Kramer GmbH" (HRB 1469 Amtsgericht Wipperfürth). Im Zusatz nannte sich der Betrieb "Meisterwerkstätten für historische Tasteninstrumente". Damals war der Betrieb mit 27 Mitarbeiter/innen die größte Werkstatt für historische Tasteninstrumente (wohl nicht nur) in Deutschland (, sondern weltweit) und produzierte 150 Instrumente jährlich. Matthias Kramer schied Mitte 1990 wieder aus der Firma "Sassmann & Kramer GmbH" aus und machte sich wieder als Einzelfirma selbstständig.

Die Firma Sassmann wurde 1990 in "Saßmann GmbH" umbenannt. 1992 übernahmen (Geselle) Gunther Karnstein und (Meister) Markus Worm den Betrieb. 1994 erhielt die Firma Sassmann GmbH durch das Bundeswirtschaftsministerium den Deutschen Musikinstrumentenpreis für Cembali.

Per Ende 1999 schied Markus Worm aus dem Betrieb wieder aus und machte sich selbstständig. 2002 (?) zog die nunmehr allein von Gunther Karnstein als Geschäftsführer geleitete "Sassmann GmbH" nach Radevormwald um, geriet jedoch mehr und mehr in Zahlungs- und Lieferschwierigkeiten. Die "Sassmann GmbH" wurde am 19. Juni 2008 "durch Eröffnung des Insolvenzverfahrens über ihr Vermögen aufgelöst" (AG Köln, 75 IN 179/08). Gunther Karnstein verließ die Instrumentenbau-Branche. Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der "Saßmann GmbH" zog sich bis zum 25. März 2015 (Adresse: Straßburg 5 ..., s.u.) hin. Die GmbH wurde am 15. Dezember 2015 aus dem Handelsregister "wegen Vermögenslösigkeit von Amts wegen" gelöscht (HRB 37663 Amtsgericht Köln).

Als letzte Anschriften der GmbH lassen sich folgende Adressen ermitteln: Straßburg 5, 42499 Hückeswagen; Wiehagener Str. 91, 42499 Hückeswagen; An der Schloßfabrik 26, 42499 Hückeswagen; Otto-Hahn-Straße 21, 42477 Radevormwald [2002].

Nach Modellen aus der Zeit zwischen dem 16. Jahrhundert und dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts wurden bei Sassmann alle Arten von besaiteten historischen Tasteninstrumenten gefertigt wie Clavichorde, Spinette, Virginale und Hammerflügel. Der Schwerpunkt der Firma lag jedoch im Cembalobau. Die ersten Sassmann-Instrumente waren noch - dem Zeitgeschmack entsprechend - in Rastenbauweise (im englischen Sprachgebrauch: "Serien style") gebaut. Sassmann übernahm hier - bis hin zur Namensverwendung im Falle des Kleinstcembalos "Kleinod", das J. N. Neupert später "Telemann" nannte - Bautypen aus dem Programm seines Lehrbetriebs J.C. Neupert.

In den späten 1960er-Jahren (vielleicht auch erst in den 1970er-Jahren?) vollzog Sassmann simultan wie die übrige Branche den Übergang zu einer mehr historischen Bauweise. In einer Übergangsphase wurden beide Instrumententypen (Rastenbauweise / Kastenbauweise), aber auch „Zwitter“ beider Bauweisen angeboten und produziert, schließlich nur noch klanglich möglichst originalgetreuen Kopien historischer Originale.

Sassmann stellte nicht nur eigene Instrumente her, sondern fungierte auch als Zulieferbetrieb für Klaviaturen innerhalb der Branche. Sassmann gehörte zu den ersten (und bis heute wenigen) Vertretern der Branche, die eine computer/software-gesteuerte Säge (mit selbstentwickelter Steuer-Software) in der Produktion vorzuweisen hatten.

Literatur: Geschäfts- und Personalnachrichten. Martin Sassmann. in: Das Musikinstrument Heft 8 1995, S. 4

Quellen: Produktkatalog "Sassmann. Meisterwerkstatt für historische Tasteninstrumente.", datiert 01.01.1999. Im Katalog der Name Markus Worm in der Geschäftsführung ausgestrichen, durch mehrere Überklebungen (Firmengeschichte, Fototeil, Preise, Anschrift) aktualisiert auf Stand 01.09.2002.

Telefonate mit Jan Großbach, Markus Worm (beide Juli 2021), Matthias Kramer (28. Juli 2021); Einsichtnahme Handelsregistereinträge online (28. Juli 2021).

Beschreibung [des Vorbesitzers]: Sechssaitige Fidel von Martin Sassmann, gebaut 1950 im Bamberg. Die Fidel ist im Stil der Fideln, die Peter Harlan gebaut hat. Diese Fidel wird über Mechaniken gestimmt, sie hat 6 Feinstimmer und ein mit Bünden versehenes Griffbrett. Man spielt sie wie die Diskantgambe zwischen den Beinen gehalten bzw. mit dem Korpus auf den Schoß gestellt. Der Hals ragt dabei nach oben.

  • Sechs Saiten in Quart-Terz-Stimmung
  • Gesamtlänge 68 cm, größte Breite 24 cm, Höhe 4 bis 6cm, Mensur 36 cm
  • Übliche Stimmung:
    • 5-saitig: g-c'-e'-a'-d''
    • 6-saitig: d-g-c'-e'-a'-d''

Gebräuchlich ist der Name Fidel auch für ein Streichinstrument, das erst im 20. Jahrhundert aufkam. Im Grunde handelt es sich dabei um eine modernisierte Form der Viola da Gamba, ein historisches Streichinstrument, das im Zuge der historischen Aufführungspraxis im 20. Jahrhundert wiederentdeckt wurde. Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelten Geigenbauer mit der Fidel eine robustere, kostengünstigere Form der Gambe, um Anfängern den Zugang zu diesem Instrument zu erleichtern.
Gebaut wahrscheinlich in der Werkstatt des bekannten Instrumentenbauers Peter Harlan.

Peter Harlan (1898–1966), seit 1908 Mitglied der Altwandervogelgruppierung. Er lernte in Markneukirchen Gitarrenbau und gründete seine eigene Werkstatt, in der er und vor allem seine Mitarbeiter vorwiegend historische Musikinstrumente herstellten. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte er seinen Wohnsitz auf Burg Sternberg (Lippe) und baute dort eine später von seinen Söhnen weitergeführte Werkstatt für Saiteninstrumentenbau auf. Dort entwickelte er die Fideln, die auch in Selbstbaukursen verbreitet wurden. Vielen alten Musikinstrumenten hat er seinen Stil gegeben und sie an die damals neue Zeit angepasst. So ist hier der Boden flach, bei alten Fideln und Gamben gewölbt.

Literatur: Wolfgang Zuckermann: The Modern Harpsichord. Twentieth-Century Instruments and Their Makers. New York: October House Inc., 1969, S. 174-176.

Fidel sechssaitig Martin Sassmann, Bamberg
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