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Christoph Dohr

aktualisiert
Sonntag, 25.04.2021 11:19

I162

1954 | Spinett (Virginal) Modell 135 mit Jalousiedeckel Maendler-Schramm (München) #610

Reiseclavichord Kurt Wittmayer Reiseclavichord Kurt Wittmayer
Reiseclavichord Kurt Wittmayer Reiseclavichord Kurt Wittmayer
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Reiseclavichord Kurt Wittmayer  
Reiseclavichord Kurt Wittmayer Reiseclavichord Kurt Wittmayer
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Instandsetzung des Spinetts Maendler-Schramm Nr. 610

Beschreibung des Instruments, Bauweise

Nach der Bauweise handelt es sich zwar streng genommen um ein Virginal, es wird aber in der beigegebenen maschinenschriftlichen „Regulier-Anleitung“ und daher auch hier als Spinett bezeichnet.

Signaturen

  • „Maendler-Schramm München“ als Messingintarsie auf dem Vorsatzbrett
  • „610“ links hinter dem Werkzeugfach eingeschlagen
  • „775“ seitlich auf der ersten Taste im Bass eingeschlagen, wegen einer Bleiniete nur teilweise
  • lesbar, aber mit Bleistift wiederholt.
  • Keine weiteren Signaturen oder Beschriftungen.


Gefundene Gegenstände

Unter den Tasten fand sich eine belgische Briefmarke 1 Franc mit dem Aufdruck „1958 1959“. Im Werkzeugfach eine alte Stimmgabel a=435 Hz. Sortiment von überzähligen Springern und Teilen davon.

Konstruktive Besonderheiten

Die Konstruktion folgt keinen historischen Vorbildern. Folgende Merkmale sind ungewöhnlich:

  • Das Spinett besitzt einen Jalousieschweller im Deckel, der durch einen Kniehebel zu bedienen ist. Jalousieschweller gab es historisch bei einigen englischen Cembali des ausgehenden 18. Jahrhunderts (Venetian Swell) sowie im modernen Cembalobau gelegentlich bei Pedalcembali. Ein Spinett mit einem derartigen Schweller war mir dagegen bisher nicht bekannt.
  • Die oberen Springerführungen bestehen aus einzeln aus Messingblech gestanzten Scheiben, die mit jeweils zwei Schrauben auf einem Brett unter der Saitenebene montiert sind. Die Position der Springer kann dadurch auch nachträglich um einige mm verändert werden. Eine untere Führung in der üblichen Weise gibt es nicht, die Messingpiloten stecken in einem mit einem knapp passenden Loch versehenen Lederzuschnitt auf dem Hinterende der jeweiligen Taste. Die Dämpferfilze sind an Holzklötzchen befestigt, die oberhalb der Kiele an die Springer geleimt sind. Ansonsten ist die Bauweise der Springer die übliche von Maendler-Schramm.
  • Die Klaviatur lässt sich nicht in der üblichen Weise demontieren, stattdessen ist der Klaviaturrahmen von unten in einem entsprechenden Ausschnitt im Boden des Instruments verschraubt. Es ist nicht möglich, im zusammengebautem Zustand einzelne Tasten herauszunehmen. Die Spieltiefe ist mit 10 mm für ein Spinett ungewöhnlich groß, was offensichtlich original so war und angesichts der Hebelverhältnisse der Tasten auch notwendig ist.

Hinsichtlich der beiden Besonderheiten der Mechanik ist ein Vergleich mit anderen Herstellern interessant: Springer, die unten in den Tasten geführt sind, kennt man von Wittmayer. Eine vergleichbare Ausführung gab es auch bei Rudolf Schüler, der einige Jahre lang in München mit Wittmayer zusammenarbeitete. Schüler hat auch Cembali gebaut, bei denen die Klaviatur in der hier vorliegenden Weise von unten in den Instrumentenboden eingeschraubt ist.

Zustand

Klangkörper und Besaitung waren in bemerkenswert gutem Zustand, lediglich eine Stahlsaite war unpassend erneuert. Es wäre möglich, dass der Saitenbezug schon einmal komplett erneuert wurde, aber das müsste dann mit äußerster Sorgfalt geschehen sein, da keine konkreten Spuren einer solchen Reparatur zu erkennen sind. Dagegen wiesen die Springer zahlreiche Schäden undReparaturspuren auf. Viele Zungen waren gegen zwar passende, aber dennoch deutlich zu erkennende Ersatzzungen ausgetauscht. Beim Spinett befand sich ein reichliches Sortiment an eiteren Ersatzteilen wie Zungen und komplette Springer. Die Klaviatur war wenig abgenutzt, aber durch aufgequollene Bleinieten stark geschädigt. Fast alle Tastenhebel waren am Hinterende gespalten und durch seitlich hervorgetretenes Blei blockiert, so dass das Spinett allein aus diesem Grund absolut unspielbar war. Es waren aber keine Spuren von Reparaturen oder Reparaturversuchen in diesem Bereich zu erkennen. Das Gehäuse war insgesamt gut erhalten, allerdings war auf der rechten Seite die Lackierung durch Lichteinwirkung deutlich geschädigt.

Ausgeführte Reparaturen

  • Zerlegen und Reinigen
  • Eine Stahlsaite erneuern
  • Entfernen der alten Bleinieten, Reparatur der gespaltenen Tastenhölzer, Erneuern der Bleie
  • Ersetzen eines zerfressenen Filzstreifens auf dem Klaviaturrahmen hinten
    Einrichten und Geradelegen der Tasten
  • Gründliches Überarbeiten der Springer, Einsetzen von neuen Lederplektren
  • Zusammenbau des Instruments, Regulieren, Intonieren und mehrfaches Stimmen
  • Abbeizen des Deckels und Neuaufbau einer Mattierung mit Schellack
  • Auffrischen der übrigen Oberflächen
  • Schwellermechanik gangbar machen

Hebelverhältnisse der Klaviatur, alle F-Tasten

Nummer Hinterhebel Vorderhebel Verhältnis
1
122 mm
152 mm
1:1,25
13
156 mm
179 mm
1:1,15
25
173 mm
206 mm
1:1,19
37
196 mm
234 mm
1:1,19
49
198 mm
261 mm
1:1,32
61
183 mm
289 mm
1:1,58

 

Mensuren (mm)

  F1-E F-e f-e1 f1-e2 f2-e3 f3-e4
F
1139
1124
804
530
310
135
F#
1132
999
876
505
284
G
1126
988
763
494
276
G#
1119
963
733
464
251
A
1113
953
718
452
244
B
1106
929
685
425
220
H
1099
919
671
417
214
C
1093
984
649
387
192
C#
1086
973
627
377
186
D
1070
856
591
351
166
D#
1061
844
589
342
160
E
1033
817
551
318
141

 

März 2021
Jan Großbach

Historie: Erwerb durch Vater des Schenkenden ca. 1954. Geschenk aus Nachlass/Vermächtnis (Stuttgart) im September 2020, mit zum Instrument passenden Hocker. Instrument unspielbar (stark gequollene Ausbleiungen, dereguliert, Lederkiele überaltert, Schweller-Deckel-Mechanismus defekt etc.). Restaurierung Sept. 2020 bis März 2021 durch Jan Großbach