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Christoph Dohr

aktualisiert
Donnerstag, 23.09.2021 18:03

I196

1962 | Clavichord John Paul Heathfield/Sussex o.Nr.

Dieses Instrument wurde aufgrund seiner besonderen Konstruktionsweise in die Sammlung Dohr aufgenommen: Das Clavichord besitzt einen gusseisernen Rahmen, eine Klaviaturschublade-Konstruktion, wie sie für die "Wiener Mechanik" im Klavierbau vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert üblich war, und eine von einem Tischler gefertigten Korpus-Konstruktion mit mehreren Ungewöhnlichkeiten.

John Paul schreibt in seiner autobiographischen Darstellung über die gefertigten Stückzahlen [Paul 1981, p. 264]: "When I review my working life and add up the instruments I have made the total in numbers is quite small, about thirty harpsichords, twenty clavichords, and also some thirty instruments restored, mostly pianos. Each harpsichord has been different, in some respect, [...]" Es ist die einzige Stelle in seinem Aufsatz, dass er das Clavichord erwähnt.

Identifikation. Am vorliegenden Clavichord finden sich zwei Signaturen von Handwerkern: Auf der Unterseite des Unterbodens [Bassseite] klebt ein handgeschriebener schmaler Papierstreifen mit der Aufschrift (in Kapitälchen): "B. Cramphorn/Cabinet.Maker. // Eastbourne.Sussex. 1962." Auf der Oberseite des Unterbodens, also im Bereich der Mechanik-Schublade, befindet sich die Signatur "John Paul 1962". Auf dem Vorstecker intarsiert: "JOHN PAUL". Metallene Rosette vorne rechts, neben dem Klaviaturraum, im Resonanzboden. Schrift in aufgeschlagenem Buch, dieses auf weit die Schwingen hebenden Greifvogel, hinterlegt mit Drahtgeflecht: "JP / me / fecit // anno / 1963 / MT". [Die Abkürzung "MT" konnte noch nicht entschlüsselt werden.] Die Tastenhebel sind von 1 bis 51 arabisch durchgenummert. Neben dem Wirbelfeld sind die Chore von 1 bis 51 arabisch durchgenummert. Auf der linken Seite des Tastenhebels für C befinden sich zwei maschinengeschriebene Zettel aufgeklebt, auf denen sich Angaben zum Bezug des Instrumentes befinden.

John Paul beschreibt in seiner autobiographischen Darstellung die damalige Herstellungsweise wie folgt [Paul 1981, p. 264]: "At first I made only the soundboards, rim and action, putting out the cabinett word, the keyboards and employing a tuner. Then I learnde these skills once a time, [...]"

Beschreibung: Laut Zuckermann, S. 161, handelt es sich bei diesem Instrument um das "Clavichord Model II: 4 octaves and 2 notzes C-d3; double strung; 48 x 20 in". Zuckermann, S. 161, bildet eine Aufsicht dieses Instrumentes ab.

Korpus furniert.

• durchgängig zweichörig, keine umsponnenen Saiten.
• pro Ton eine am Anhang umlaufende Saite = Verzicht auf Saitenösen.
• C bis E Messing- (blank), F bis d'''  Stahlsaiten (blank).
• Der gusseiserne Rahmen "umgreift" den hölzernen Stimmstock.
• Die Höhe des Klangstegs (1") kompensiert die Höhe des gusseisernen Rahmens.
• Die Tastenhebel sind ebenso wie die Wirbelpaare von 1 bis 51 durchgenummert.

Korpusmaße ohne Deckel: 1220 mm breit, 520 mm tief, 150 mm hoch
Korpusmaße mit Deckel: 1240 mm breit,  530 mm tief,  165 mm hoch.
Gesamthöhe mit Stahlrohr-Beinen (runder Querschnitt, je schräg nach außen stehend, eingeschraubt, schwarz gespritzt): 780 cm.
Spielhöhe: xxx mm

Einteiliger Instrumentendeckel mit anhängendem Tastenraumfrontdeckel. Maße des Instrumentendeckels 530 mm tief, 1240 cm breit. x Scharniere vom Instrumentendeckel zur hinteren Korpuswand; Maße des Tastenraumfrontdeckels: xx cm hoch, xx. cm breit, x Scharniere vom Tastenraumfrontdeckel zum Instrumentendeckel .

Stichmaß 490 mm.

Ambitus C bis d''' = vier Oktaven und eine Sekunde = 51 Tasten. Tastenführungsstifte nach Klavierbauerart = nicht historisch. Mit Filz garnierte Führungen. Tangenten massiv, in die Tastenhebel eingeschraubt. Große Tastenhebelhöhe von 23 mm ohne Belag, 26 mm mit Untertastenbelag, am hinteren Ende ein- bis dreifach ausgebleit.

Untertasten mit Ebenholz belegt. Untertastenlänge sichtbar 140 mm, Vordertastenlänge 48 mm; Obertasten Holz, hellbraun-karamellfarbig, hochglänzend lackiert, Obertastenlänge oben 83 mm, unten 87 mm.

Die Klaviaturschublade wird zunächst unter dem gusseisernen Rahmen mit genügend Abstand zwischen den Tangenten und dem gusseisernen Rahmen eingeschoben und dann mittels eines zweiten, unterzuschiebenden Rahmens auf Spielhöhe angehoben. Danach werden beide Rahmen mit dem Unterboden verschraubt.

Wirbel für Ton C als Paar, für CIS bis d''' in Viererreihen.

Eingeschraubte, massive Tangenten, die an Schlitzschraubenzieherspitzen erinnern.

zum Erbauer: John Paul wurde lt. Autoren-Information der British Library 1920 geboren (online-Abruf 14.09.2021). Lt. Zuckermann (S. 159) nannte sich die Firma "The John Paul Company", was durchaus nicht der Größe des Betriebs entsprach. Lt. eines Nachrufs von John Barnes (siehe Literatur) starb er am Sonntag, 7. Juli 1991. Genauere Angaben sind noch unbekannt. John Paul hat einen autobiographischen Text verfasst (siehe Literatur).

Provenienz: Erwerb für die Sammlung Dohr am 5. September 2021 in Amsterdam aus der Ausstellung von René van Beeck (Amsterdam-City), der es in Kommission verkaufte.

Zustand: [bei Erwerb] Das Instrument ist in einem spielfähigen Zustand und weist lediglich in der Optik (Korpus, insbesondere Deckel) starke Gebrauchsspuren auf.

 
 
 
 
 
 
   
 
 
 
 

Literatur: [a] Primärliteratur. John Paul: Chapter 20. John Paul. in: John Paul: Modern Harpsichord Makers: Portraits of Nineteen British Craftsmen and Their Work. London: Victor Gollancz 1981, S. 258-272.

[b] Sekundärliteratur. Wolfgang Zuckermann: The Modern Harpsichord. Twentieth-Century Instruments and Their Makers. New York: October House Inc., 1969, S. 158-161. John Barnes: John Paul - an appreciation. in: FOMRHI Quarterly No. 64 (July 1991), Comm. 1045 = S. 6.