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Christoph Dohr

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Donnerstag, 22.07.2021 19:30

I084

1970 (ca.) | Konzertcembalo zweimanualig Sassmann #xxx (Hückeswagen)

Firmengeschichte. Martin Sassmann (geb. Dezember 1924, gest. Mai 1995) verbrachte den zweiten Weltkrieg als Messerschmitt-Kampfflieger, bevor er 1948 eine Lehre zum Klavier[- und Cembalo]bauer bei J. C. Neupert in Bamberg begann und 1953 mit der Meisterprüfung abschloss:

"Eine Meisterprüfung besonderer Art hat kürzlich der in der Klavierfabrik Neupert-Bamberg tätige Herr Martin Sassmann vor der Handwerkskammer Stuttgart abgelegt. Die Ausstellung des Meisterbriefes erfolgte nämlich erstmals für das "Klavierbauerhandwerk (Cembalobau)", da der Prüfung einen historischen Klaviertyp als Meisterstück gewählt hatte." (Das Musikinstrument, Jg. 1,5 (1953))

Am 1. Februar 1955 eröffnete Martin Sassmann in Lennep (Bergisches Land) eine eigene Werkstatt. Im Jahre 1966 zog der expandierende Betrieb nach Hückeswagen-Wiehagen. Martin Sassmann begründete dort zugleich die Schlosskonzerte, die mindestens 47 Jahre Bestand hatten.

Ab 1987 firmierte der Betrieb als "Sassmann & Kramer" , wurde jedoch bereits im Jahre 1990 in eine GmbH umgewandelt. Matthias Kramer schied bei Sassmann aus und machte sich selbstständig. 1992 (1994?) übernahmen Gunther Karnstein und Markus Worm den Betrieb. 1994 erhielt die Firma Sassmann GmbH durch das Bundeswirtschaftsministerium den Deutschen Musikinstrumentenpreis für Cembali.

2000 schied Markus Worm wieder aus dem Betrieb aus und machte sich selbstständig. 2002 zog die Sassmann GmbH nach Radevormwald um, geriet jedoch mehr und mehr in Zahlungs- und Lieferschwierigkeiten. Die Firma stellte ungefähr 2009 die Fertigung ein. Gunther Karnstein verließ die Branche.

Matthias Kramer, Markus Worm und Gunther Karnstein sind gelernte Cembalobauer und gehören zur großen Gruppe derer, die bei Martin Sassmann gelernt haben und sich später selbstständig machten.

Nach Modellen aus der Zeit zwischen dem 16. Jahrhundert und dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts wurden alle Arten von besaiteten historischen Tastenintrumenten gefertigt wie Clavichorde, Spinette, Virginale und Hammerflügel. Der Schwerpunkt der Firma lag jedoch im Cembalobau. Die ersten Sassmann-Instrumente waren noch - dem Zeitgeschmack entsprechend - in Rastenbauweise (im englischen Sprachgebrauch: "Serien style") gebaut. In den späten 1960er-Jahren vollzog Sassmann den Übergang zu einer mehr historischen Bauweise, schließlich zu möglichst originalgetreuen Kopien historischer Originale.

Sassmann stellte nicht nur eigene Instrumente her, sondern fungierte auch als Zulieferbetrieb innerhalb der Branche, so unter anderem für Klaviaturen. [Aufgrund des Verschwindens der Firma Sassmann aus dem Markt ist deren Geschichte derzeit nur unter großen Schwierigkeiten recherchierbar.]

Kurzcharakteristik. Dieses große Konzertcembalo von Martin Sassmann ist ein Beispiel für die Konstruktionsweise in der übergangsphase von der Rasten- zur historischen Bauweise. Es weist (noch) die unhistorische, aber von den damaligen Interpreten geforderte Pedal-Registerschaltung und die sogenannte Bach-Disposition mit vier Registern und 16' im ersten Manual auf, die zur Bauzeit des Instrumentes als "unhistorisch" und damit als typisch für Rasteninstrumente in der Tradition des Pleyel-Konzertcembalos Modell "Wanda Landowska" galt.

  • Länge: 265 cm, Breite: xxx cm
  • zwei Manuale, unteres Manual: 16', 81'; oberes Manual: 82', 4'
  • Manual-Koppel II an I; Lautenzug auf 8?'.
  • Umfang: F1–f3 = 5 Oktaven

Provenienz: Schenkung Prof. Ad van Sleuven, September 2014.
Abgang 2019 im Rahmen der Umstrukturierung der Sammlung Dohr.

Literatur: Geschäfts- und Personalnachrichten. Martin Sassmann. in: Das Musikinstrument Heft 8 1995, S. 4